Altersvorsorgedepot ist nicht gleich Altersvorsorgedepot
Das Altersvorsorgedepot ersetzt nicht einfach die bisherige Riester-Rente. Ab 2027 entstehen gleich
drei geförderte Produktwege mit unterschiedlichen Kosten, Garantien, Kapitalmarktchancen und Auszahlungsformen.
Doch
dieser Beitrag bewertet noch keine einzelnen Produkte. Dafür ist es heute noch zu früh. Ziel ist vielmehr, den aktuellen Stand einzuordnen und aufzuzeigen,
welche Fragen vor einer Entscheidung grundsätzlich
beantwortet werden sollten.
Denn vorschnell wird von
„Riester 2.0“ oder
Dem Einen Altersvorsorgedepot gesprochen und berichtet. Das alte Produkt soll durch ein neues ersetzt werden. Doch so einfach ist es nicht.
Es entstehen drei unterschiedliche Lösungswege mit unterschiedlichen Möglichkeiten sowohl für die Ansparphase als auch für die Renten- bzw. Auszahlphase. Ferner wird Handhabe mit bestehenden Riester-Verträgen weitestgehend geregelt.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Was bisher geschah
Die bisherige Riester-Rente gilt vielen als
zu kompliziert,
zu unflexibel und
zu renditeschwach. Ein wesentlicher Kritikpunkt war bisher die verpflichtende
Beitragsgarantie von 100 % zum Beginn der Rentenphase. Sie
sollte Sicherheit geben, hat aber gerade in Niedrigzinsphasen häufig dazu geführt, dass ein hoher Teil des Kapitals sicherheitsorientiert angelegt werden musste.
Mit der Reform soll
der private Teil der geförderten Altersvorsorge in erster Linie stärker am Kapitalmarkt ausgerichtet werden, um die langfristigen Renditechancen zu erhöhen.
Gleichzeitig soll die Förderung vereinfacht und attraktiver,
neue Zielgruppen einbezogen und die Auszahlungsphase flexibler gestaltet werden.
Ab 2027 können Banken, Versicherungen, Neobroker und andere Anbieter eigene Produkte im Rahmen der gesetzlichen Regelungen anbieten. Zusätzlich wurde die Bundesregierung ermächtigt, per Rechtsverordnung die Umsetzung eines
Standarddepot-Vertrags durch einen öffentlichen Träger zu ermöglichen. Dieses Angebot soll als Alternative zu privaten Produkten allen Zulageberechtigten zur Verfügung stehen.
Altersvorsorgedepot - Konditionen in der
Ansparphase
Altersvorsorgedepot - Konditionen in der
Rentenphase
Altersvorsorgedepot: Drei Varianten für die Ansparphase
Betrachtet man die Änderungen im Detail, kann man gut und gerne von ganz unterschiedlichen Vorsorgevarianten sprechen, die sich später wiederum in zahlreiche Produktangebote unterteilen werden.
Beginnt man die Analyse auf der Ebene der Altersvorsorgeschicht 2, werden künftig drei Varianten unterschieden:
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
1. Standarddepot: Allseits bekannt als „das Altersvorsorgedepot“
Wenn öffentlich vom „Altersvorsorgedepot mit 1 % Kostendeckel“ gesprochen wird, ist damit häufig das Standarddepot gemeint. Es ist die einfache und günstige Basislösung.
Das Standarddepot zeichnet sich unter anderem aus durch:
- Standardisierte Fondsauswahl und Allokation in der Ansparphase
- 1 % Kostendeckel in der Ansparphase
- Keine Beitragsgarantievorgaben
- Automatisches Ablaufmanagement vor Rentenbeginn
- Auszahlplan statt Verrentung
- Das Standarddepot richtet sich vermutlich eher an Menschen, die es einfach, verständlich und „endlich erledigt“ haben möchten.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
2. Altersvorsorgedepot
Das „eigentliche“ Altersvorsorgedepot ist die individualisierbarere Variante, deren konkrete Konditionen stark vom Produktanbieter abhängen werden.
Nach aktuellem Stand sind unter anderem folgende Punkte vorgesehen:
- Freiere Fondsauswahl und Allokation in der Ansparphase
- Kein allgemeiner 1 %-Kostendeckel wie beim Standarddepot
- Keine Beitragsgarantievorgaben
- Individuelles Ablaufmanagement vor Rentenbeginn
- Auszahlplan statt Verrentung
- Mit dem Altersvorsorgedepot werden Kapitalanleger angesprochen, die einen gewissen Einfluss auf diesen Baustein ihrer Altersvorsorge nehmen und sich professionell begleiten lassen möchten.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
3. Garantieprodukt
Dieser Lösungsweg soll weiterhin die Möglichkeit einer
Beitragsgarantie
bieten. Nach aktuellem Stand sind Versicherungsprodukte mit
80 % oder 100 % Garantie vorgesehen.
Wie diese Garantie technisch umgesetzt wird - ob klassisch über das Sicherungsvermögen oder als Hybridvariante inkl. Fonds - ist derzeit noch offen.
Genau dieser Punkt wird jedoch entscheidend sein, weil die Umsetzungsform maßgeblich Managementaufwand, Gebühren und Renditechancen beeinflusst.
- Sicherheitsorientierte Anleger, die einen geförderten Altersvorsorgebaustein mit sicherer, lebenslanger Verrentung wünschen, werden mit dem Garantieprodukt angesprochen.
Altersvorsorgedepot - Auszahlplan oder Verrentung?
Bis zum Abschluss der Ansparphase wird vorwiegend betrachtet, wie effizient das Kapital aufgebaut wird. Mindestens genauso wichtig ist die sich anschließende Frage,
zu welchen Konditionen das Guthaben später wieder ausgezahlt werden kann.
Es ändern sich nicht nur die
Einstellungsmöglichkeiten
für und während der Ansparphase, sondern auch jene für die
Rentenphase. Genauer gesagt haben die Entscheidungen, die man zu Beginn trifft, Auswirkungen auf die späteren Möglichkeiten.
Deshalb gehört auch diese Betrachtung von Anfang an dazu.
Grundsätzlich werden künftig zwei Auszahlungswege relevant:
- Lebenslange
Leibrente und damit Versicherung des Langlebigkeitsrisikos
- Auszahlplan
bis mindestens zum 85. Lebensjahr und damit renditeorientiertere Kapitalanlage
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Auszahlplan bis 85?
Entscheidet man sich für Standarddepot oder Altersvorsorgedepot,
kann das Kapital in einem Depot nicht als lebenslange Rente garantiert werden, weil die entsprechenden Sicherungsmechanismen schon während der Ansparphase gefehlt haben. Das Garantieren einer lebenslangen Rentenzahlung, unabhängig davon wie alt man tatsächlich wird, setzt entsprechend hohe Kapitalrücklagen als Reserven voraus. Das alleinige Depot ist abhängig vom Restguthaben, welches noch nicht ausgezahlt wurde, und dessen Rendite, welche wiederum nicht garantiert werden kann.
Ist jenes Guthaben aufgebraucht, kann keine "Rentenzahlung" mehr erfolgen. Deswegen spricht man für
Standarddepot oder Altersvorsorgedepot von einem zeitlich begrenzten Auszahlplan.
1. Wird eine lebenslange Verrentung gewählt, muss das angesparte Kapital deshalb in eine, in der Regel versicherungsförmige, Verrentungslösung überführt werden. Das
Bundesfinanzministerium (BMF) beschreibt die Möglichkeit, Vermögen aus einem Altersvorsorgedepot-Vertrag ohne Verrentungsoption zu Beginn der Auszahlungsphase in eine Leibrente bei einem Versicherungsunternehmen
umzuwandeln.
2. Beim Auszahlplan kann das Kapital dagegen, je nach konkretem Auszahlungsprodukt, weiter angelegt bleiben und planmäßig bis min. zum 85. Lebensjahr verbraucht werden. Die bspw. auf das 85. Lebensjahr begrenzte Rentenkalkulation
dürfte eine höhere Auszahlung ermöglichen als bei einer lebenslangen Verrentung. Das kann insbesondere
für
Menschen mit Vorerkrankungen oder anderweitig gesicherten Rentenquellen interessant sein.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Lebenslange Verrentung?
Entscheidet man sich hingegen für die lebenslange Verrentung bzw. endet ein vorheriger Auszahlplan mit 85, wird das Restguthaben in eine Versicherungslösung überführt.
Die dann gültigen
Verrentungskonditionen, Kosten, Rechnungsgrundlagen und Rentenfaktoren werden zu betrachten sein.
2b. Bei Versicherungsprodukten kann zusätzlich ein 80/20-Modell relevant werden. Dabei werden
80% des Kapitals für eine
lebenslange Rentenkomponente genutzt, während
20 %
kapitalmarktnäher investiert bleiben und variable lebenslange Auszahlungen ermöglichen können. Ob und welche Gesellschaften dieses Modell tatsächlich anbieten werden, bleibt abzuwarten.
Bereits an diesen wenigen neuen
Einstellungsmöglichkeiten
ist zu erkennen, dass die Riester-Förderung künftig besser auf unterschiedliche Anlageziele ausgerichtet werden kann.
Das ist eine gute Nachricht.
Daraus ergibt sich
meine Empfehlung, die neuen Möglichkeiten nicht nur auf Produktebene, sondern
strategisch zu
betrachten.
Das Depot ist vor allem ein Werkzeug, um Kapital aufzubauen. Wer später eine garantierte lebenslange Rente möchte, braucht zusätzlich eine Verrentungslösung. Wer einen Auszahlplan wählt, erhält mehr Flexibilität, trägt dafür stärker das Risiko, dass das Kapital nach Ende der Auszahlphase verbraucht ist.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
So kannst du jetzt vorgehen: Drei Schritte zur passenden Wahl
Sowohl Menschen mit Riester-Verträgen der alten Welt als auch Interessenten der neuen Generation dürfen aktuell vor allem eines tun:
Abwarten und sich vorbereiten
Auch denjenigen mit einem
Wohnriester-Vertrag ist keine Eile geboten. 😉
Denn weder sind schon alle Vorgaben
vollständig in Produktbedingungen übersetzt worden, noch hat der Markt sich über
Angebot und Nachfrage austariert.
Erfahrungsgemäß
entwickeln sich neue Produktwelten erst über den Wettbewerb. Die ersten Angebote müssen nicht automatisch die besten Angebote sein.
Je nachdem, ob du schon einen Riester-Vertrag hast und/ oder eine übergeordnete Rentenplanung verfolgst, kannst du gerne diese
drei Schritte anwenden.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Schritt 1: Konzeptionelle Einordnung in deine Rentenplanung
Nicht das Produkt entscheidet über eine gute Altersvorsorge, sondern das dahinterliegende Konzept. Ob
Vermögenshaus oder
Drei-Topf-Modell, nur wer seine Produkte optimal aufeinander abgestimmt hat, setzt
jeden Euro effizient ein.
Deshalb sollte zuerst geklärt werden:
- Welche Funktion hat
Riester
für dich
bisher
erfüllt oder auch nicht?
- Welche
Funktion
könnten die neuen Varianten künftig erfüllen?
- Passt das Produkt zu deiner
Lebenssituation
und deinen
Rentenvorstellungen?
- Welches
Anlageziel möchtest du damit verfolgen?
- Welche
Risiken
möchtest du abdecken?
- Musst du an
Hinterbliebene
und
Erben
denken?
- Gibt es ein
anderes Produkt, mit dem du deine Euros effizienter einsetzen kannst?
Für bestehende Riester-Verträge gilt: Erst analysieren, dann entscheiden. Eine vorschnelle Kündigung kann Garantien, Zulagen oder steuerliche Vorteile gefährden.
Schritt 2: Bestandsvertrag analysieren
Bestehende Riester-Verträge sollten, wenn nicht schon geschehen, bereits
heute geprüft werden. Nicht, um vorschnelle Entscheidungen zu treffen, sondern
um zu wissen, was vorhanden ist und wie gut es arbeitet.
Eine Analyse kann zeigen, ob z.B. eine Beitragsanpassung, Beitragsfreistellung, ein Fondswechsel, eine Zulagenprüfung oder eine strategische Weiterführung sinnvoll ist.
Gerade wenn
Zulagen nicht optimal genutzt werden,
Fonds schlecht gewählt oder die
Vertragskosten zu hoch sind, kann bereits heute Handlungsbedarf bestehen.
Deshalb gilt: Erst
prüfen, dann entscheiden.
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Schritt 3: Neue Angebote analysieren und vergleichen
Sobald konkrete Angebote auf dem Markt sind und dieser sich auch noch etwas eingependelt hat, sollte
auf Herz und Nieren geprüft werden. Hier
ein Firstmover zu sein, ist vielleicht nicht unbedingt ratsam.
Neben den bereits erwähnten
Kriterien wie Fondsauswahl,
Kostenbelastung, Verrentungskonditionen, Förderung und Besteuerung können nämlich weitere Änderungen einen erheblichen Einfluss auf die individuelle Bewertung haben:
- Welche Formen des
Todesfallschutzes vor und während der Rentenphase werden möglich sein?
- Welche
Erben
können wann und wie Leistungen erhalten?
- Wie sind die
Wechselkonditionen für bestehende Verträge?
- Gibt es einen
garantierten
Rentenfaktor?
- Über welche Anlageform wird die
Kapitalgarantie
sichergestellt?
- Welche
Kosten
entstehen in der Renten- und welche in der Auszahlphase?
- Wie flexibel ist das
Ablaufmanagement?
- Wird ein
Rebalancing
möglich sein?
- Was kostet ein Wechsel in ein
Verrentungsprodukt?
- Was passiert mit dem bisherigen „Huckepackvertrag“ des Ehepartners?
- Welche Konditionen gelten jetzt für
Wohnriester?
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Fazit: Kein Grund für Schnellschüsse, sondern Zeit für Planung
Die neue Riester-Förderung wird die geförderte private Altersvorsorge
moderner
machen.
Mehr Kapitalmarkt. Mehr Flexibilität. Mehr Zielgruppen. Mehr Wahlmöglichkeiten in der Auszahlungsphase. Das ist grundsätzlich positiv.
Künftig sollte deshalb noch bewusster entschieden werden, ob ein Produkt Sicherheit, Rendite, lebenslange Versorgung, flexiblen Vermögensverzehr oder eine Mischung daraus liefern soll.
Ein einseitiger Kostenvergleich würde in Anbetracht der Komplexität weiterhin
zu kurz greifen.
Besonders bei bestehenden Riester-Verträgen gilt:
Nicht vorschnell kündigen. Nicht blind wechseln. Nicht nur auf Kosten schauen.
Sinnvoll ist eine detailliertee Analyse der bestehenden Verträge und
später ein nüchterner Vergleich mit den neuen Angeboten. Nicht „Riester 2.0“ entscheidet über deinen Ruhestand, sondern
die Strategie dahinter.
Hier kannst du dir ein
kostenloses Infogespräch buchen.
So lange heißt es für alle, die schon eine
klare Rentenstrategie verfolgen:
Abwarten und Tee trinken
Für alle anderen:
Buchen Sie bitte hier 😉
Kostenloses Erstgespräch vereinbaren
Der Markt muss sich erst einpendeln. Sobald konkrete Produkte, Kosten, Fondsauswahlen, Garantiebausteine und Auszahlungsmodelle auf dem Tisch liegen, lässt sich seriös beurteilen, welche Lösung wirklich zu deiner Altersvorsorge passt.
Wir wollen die Zeit nutzen
und
in unserem nächsten Beitrag die Vor- und Nachteile für die nun hinzukommende Gruppe von förderberechtigten Personen - die Kammerberufler, wie
Ärzte, Zahnärzte und Rechtsanwälte
etc. – zu beleuchten.
Bis dahin, bleibe kritisch!
Dein Alex Kukovic